Home Office statt Gewinnmaximierung

Nach etwas mehr als sieben Mondphasen durften wir endlich wieder Spieltagsfeeling genießen. Das neue Konto wurde eröffnet und war bereit für Einzahlungen. Doch vorher haben alle Fahrer und Mitfahrer die spannende Anreise mit unsere Motorbooten und Hovercrafts genossen. Bei geöffnetem Fenster stellte sich sogar ein 4D Erlebnis, gegenüber den virtuellen Erlebnissen, welche viele in den letzten Monaten sonst genossen haben, ein. Nach der Durchquerung des halben ostsächsischen Landes im Dauerregen, schien wohl das heutige Motto „Und nach mir die Sintflut“. Spielerisch, so wie geistig.

Der neue Abteilungsleiter Till fügte sich in seine Rolle mit der Binde (für den Arm / das Trikot) sofort ein. Zur Begrüßung und Losung war der Ton so rau wie das Wetter oder die See, wenn es hier eine geben würde. Davon unbeeindruckt präsentierten wir stolz unseren neuen Zwirn, maßgeschneidert und fast ein halbes Jahr gereift. # Wir lieben Edeka. In die erste Verhandlungsrunde starteten wir mit Toni, Martin, Rene, Till, Steve und Timon, sowie Chris im andersfarbigen Hemd. Die ersten Ballwechsel liefen solide, doch der Kurs war nicht ganz eindeutig. Über 05:04, 09:09 und 13:13 hielten beide Teams konstant den Side out. Beim stand  von 14:17 kassierten wir die erste kleine Aufschlagserie des Zittauers Heinrich Gresch, sowie die grenzwertigen Schiebungsaktionen von Robin Flemming. Trotz der etwas wackligen Annahme und profanen Spielaufbaus ließen wir uns davon nicht beeindrucken. Wir arbeiteten hart an unserer Ausbeute, um beim Stand von 22:22 den Anschluss nicht zu verlieren. Nun folgte wie immer die Phase des Nervenflatterns so kurz vor Vertragsabschluss. Beim 24:24 den Stift noch fest in der Hand, wurde zum 24:26 über die Linien hinaus gemalt.

Klare Anweisungen des Vorstandes während der Satzpause. Mehr Druck im Aufschlag, präzisere Blockarbeit und Disziplin in der Abwehr. In gleicher Aufstellung starteten wir in die zweite Runde. Doch von Veränderung war keine Spur zu erkennen, die Konzentration nicht bei 100%. Normalerweise sollten wir aus Fehlern lernen, doch Home Office und Praxis im Feld liegen hier meist weit auseinander. Die Folge war bereits der erste kleine Rückstand von 02:04 und 03:06. Nachdem wir zum 08:09 wieder etwas Boden gut gemacht hatten, fehlte uns das nötige Geschick und gerieten abermals mit 10:13 ins Hintertreffen. Die weiterhin zu einfachen Aufschläge, sofern es kein direkter Fehler von uns war, machte es den Zittauern leicht ein variables Angriffsspiel aufzubauen. Wobei variabel eher relativ ist, denn die meisten Angriffe kassierten wir über Außenangreifer Frank Pawelski. Während der Auszeit kam sogar der Anruf von Sachsenmilch, ob wir nicht Lust hätten als Kooperationspartner ins Käsegeschäft mit einzusteigen. Unsere Referenzen wären wohl brillant. Der undisziplinierte Block versagte uns eine effektive K2 Arbeit. Gepaart mit einer zu hohen Eigenfehlerquote, bestimmte dies die Tendenz des zweiten Satzes.  Mike versuchte mit Wechseln im Zuspiel beim Stand von 20:22 und auf der Diagonalposition beim Stand von 21:24 eine überraschende Wendung einzuleiten, doch leider ohne Erfolg. Damit ging auch der zweite Satz zu Recht an den Gastgeber.  

Unser Spiel sah nicht nach 6 Wochen Vorbereitung, sondern nach Businessplan im Jahr 1, mit vielen dicken roten Zahlen, aus. Ein Graus für den fleißigen Videoanalysten. Die neue Strategie von Mike zog konsequente Entlassungen mit sich. Ein neuer Arbeitstrupp um Andre, Jakob, Rene, Basti, Steve und Timon sollte die Wendung herbeiführen. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase über die Zwischenstände von 05:05, 07:09 und 12:14 zeigten die frischen Arbeitskräfte was Einsatz, Konzentration und Siegeswillen bedeutet. Maik Menzel lief frisch zu seinem Sachsenliga Debüt auf. Effektive Aufschläge von Timon und Jakob sorgten endlich für den nötigen Druck, um die Zittauer Annahme ein wenig in Bedrängnis zu bringen. Zusätzlich verließ man die Schweizer Formation, um im Block die nötige Stabilität aufzuweisen. Mike´s klare Ansagen wurden gut umgesetzt. Ein guter Antreiber ist eben schon immer mehr wert gewesen als 10 gute Arbeiter. Obwohl die Statistik die schlechteste Annahmequote in Satz 3 zu verzeichnen hatte, konnten wir diese Runde mit 25:19 auf unser Konto verbuchen. Grund dafür waren tatsächlich keine Fehler im Angriff, sowie insgesamt nur 3 unerzwungene Fehler, wobei Zittau 13 Stück davon aufweisen konnte.    

Die Männer waren scheinbar wieder auf Kurs. Gewinnbeteiligung an verschiedensten Braukunsterzeugnissen wurde versprochen. Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen. So ist es eben im Home Office, wenn man direkt im Schlafanzug zur Arbeit erscheint. Verpennt! Nicht 7 Uhr morgens, sondern 15:22 Uhr MEZ. Die vermeintlich frischen und motivierten Arbeitskräfte hatten ihr Pulver verschossen. Diagnose der modernen Medizin, Burnout. Wir mussten gleich von Beginn an mit 01:04, 3:08 und 05:14 die Konkurrenz ziehen lassen. Die Annahme schien plötzlich unter Patentrecht zu fallen, Aufschläge glichen einem freundlichen Winken zum Mitstreiter und der Angriff verpuffte wie ein laues Lüftchen im Bürostuhl. Nur 19% Killquote im Angriff sprechen eine eindeutige Sprache, die hier keiner weiteren Übersetzung bedarf. Damit soll es das mathematisch auch gewesen sein. Scheinbar ist das wirklich nicht unser Fachgebiet. Wir können oft nur geistlos Prügeln, ob ins aus oder in Block. Selbst die zwischenzeitlich angeordneten Wechsel auf der Diagonalposition, im Zuspiel und auf Außen, halfen keineswegs den Dienstwagen nicht gegen die Wand zu setzen. Mit 12:25 mussten wir uns zu Recht im Markt unterordnen und dem Gastgeber gratulieren.   

VV Zittau 09 I – SV Motor Mickten 3:1 (26:24, 25:22, 19:25, 25:12)  

Kleine Randnotiz für alle die noch aus dem Sand- und Sommerbusiness kommen. In Zittau liegen die Linien ab und an schief oder hochkant. Also bitte vorher mal kurz mit Rechen drüber gehen, dass es allen beteiligten leichter Feld die Spielfeldmarkierung eindeutig zu identifizieren. Ebenso sorgt die Aufstockung der Personaldecke von 2 auf 6 Spieler für leichte Unsicherheit in der Aufstellungsordnung während des Aufschlages. Schritt für Schritt Anleitungen sind willkommen.   

Bereits nächstes Wochenende, am 04.10. findet unser erster Heimspieltag der Saison statt. Zu Gast sind die jungen Wilden des VSV Reichenbach und die alten Hasen des USV TU Dresden II. Bevor ihr also einen typischen Gammelsonntag einlegt, beehrt uns ab 12 Uhr im Momi-Center für 2 hoffentlich spannende und erfolgreiche Spiele. Ausreichend Zuschauer sind mit Angabe einiger Daten unter geheimer Angabe zugelassen.   

© Toni