Gemischte Wildplatte zum Sonntagsdinner

Zur feinsten Speisezeit, sonntags den 04.10.2020 um 12 Uhr, luden wir die Herren vom VSV Reichenbach und USV TU Dresden II zum Bankett ein. Da ein Buffet aus hygienegründen für die Zuschauer nicht bereitgestellt werden durfte, wollten wir wenigstens fürs Auge etwas bieten, sofern das denn möglich war. Obwohl, das liegt immer im Auge des Betrachters. Das Auge isst ja schließlich mit. Die Jungen Rehe aus Reichenbach und die alten Hasen der 2. Garde des USV TU Dresden. Wir waren die Jäger, welche es anrichten sollten. Wurden wir der Rolle der Jäger gerecht oder waren wir im Ende doch die Gejagten?

Eine kleine Vorspeise a.k.a. Frühstück nahmen wir seit Monaten wieder gemeinsam im Vorbereitungszimmer zu uns. Mike teilte auch erste Infos zum Schlachtplan mit. Die grünen Uniformen wurden präpariert, Bäume bzw. Pfosten inklusive Seilanlage und Hochsitz aufgestellt. Die Munition in Ballform bereitgelegt, die Läufe gereinigt und beim Warm-Up das erste Mal Durchgeladen. Jagdscheinanwärter Maik M. musste seine Prüfung verschieben und stand nicht zur Verfügung. Ebenfalls fürs erste Spiel nicht verfügbar war Jakob N. Der durfte vorher anderweitig den Marsch blasen. 12 Uhr wurde die Jagd durch die beiden Unparteiischen per Pfiff eingeleitet. Auf dem Feld im Anschlag befanden sich Toni, Micha, René, Till, Steve und Timon. Die Position des Schlachtkarrens übernahm Christian. Ein vorsichtiges Anpirschen an die Sachsenliga-Neulinge des VSV Reichenbach begann. Ein ausgeglichener Abstand von 03:03 und 07:06 verhinderte eine effektive Schussdistanz. Doch eine Unachtsamkeit der Gäste im Annahmeriegel sorgte für wackelige Beine und die ersten Treffer konnten erzielt werden. Diese kleine Aufschlagserie brachte uns mit 15:08 in Führung. Selbst die 2 Auszeiten der jungen Wilden konnte das Rudel nur schwer beruhigen. Bis zum 20:15 setzten wir kontinuierliche Treffer, um die erste Ration zu sichern. Doch die Gäste wurden nochmals aktiver und schneller, verkürzten durch effektive Hiebe und Finten auf 21:18 und 24:21. Eine kleine Unachtsamkeit brachte dann allerdings den ersten Hirsch zu Fall. 25:23 für die Jäger in grün. Nochmal Glück gehabt. Vermeintliche Erfahrung sieht anders aus. Zumindest wenn es nach der nicht sehr demütigen Meinung unserer Reichenbacher Gäste geht, die an jeder einhändigen Zielvorbereitung und Passgestaltung etwas auszusetzen hatten. Michael Kothe ließ hier das Spiel regelkonform jederzeit laufen.

In unveränderter Formation starteten wir in den zweiten Jagdlauf. Von Beginn an zeigten uns die Gäste nun ihre flinken Haken und Manöver. Vor allem über gute Aktionen von Tim Liebscher, Max Kunert und Leo Reinhold. 03:07, 06:09, 07:11 und 10:17. Irgendwie konnten wir uns nicht Annähern. Zu laute und unbeholfene Aktionen unserseits verscheuchten potentielle Punkte. Die großen Visiere hatten wir auch nicht dabei. Was also tun? Mike entschied sich für die frischen Schützen Martin, Basti und André. Geputzte Läufe und eine modifizierte Taktik ließen nochmal auf Erfolg hoffen. Gute Aufschläge von Martin und Timon setzten diesmal nicht nur Warnschüsse, sondern effektive Treffer. Allerdings reichte es nicht um die Reichenbacher zu Fall zu bringen und mussten die jungen Wilden zu Recht mit 23:25 ziehen lassen.

Eben jene zum Schluss treffsichere Besetzung durfte im dritten Waldabschnitt die Jagd fortsetzen. Mit sicherem Griff in der Annahme, sowie Abwehr konnten wir in ordentlicher Angriffsformation und Variation punkten. Gepaart mit guten Aufschlägen von René und Basti verliehen wir in diesem Element endlich den nötigen Druck. Im Angriff wurden Platzpatronen gegen ordentliche Kaliber ersetzt und verhalfen uns so zur 17:13 Führung über die Stationen 05:03, 12:09 und 14:11. Die Gäste fanden glücklicherweise keine Möglichkeit frisches Fleisch auf das Feld zu bringen. Erst kurz vor Schluss des Satzes. Bis zum 22:18 behielten wir die Oberhand und setzten die taktischen Vorgaben um. Doch ein letztes Zucken unserer jungen Gäste ließ uns wieder in der entscheidenden Phase ins Straucheln kommen. Unkonzentrierte Aktionen in Block und Abwehr ließen auf einmal nur noch eine 1 bis 2-Punkte-Führung zu. Mike prüfte nochmal Windrichtung –und Geschwindigkeit, Toni berücksichtigte die für den Breitengrad Dresden gültige Corioliskraft und Till J. den Reibungswiderstand und die Kugelgeschwindigkeit unserer Geschosse. Mit dem entsprechenden Ergebnis unserer nicht ganz

unkomplizierten, aber dennoch in 30 Sekunden errechneten Formel beim Stand von 22:21, fielen die Schüsse zum 25:23.

Nun kamen wir langsam in den finalen und lichter besiedelten Bereich des Waldes. Die Zuschauer wurden zahlreicher und immer aktiver. Angefacht von unseren Fans, welche auch ab und zu mit unseren Gästen kollidierten, ging es weiter in den hoffentlich letzten Beutezug des ersten Spiels. Die erfolgreiche Formation des dritten Satzes blieb vorerst im Feld. Doch was in einer Show enden sollte, verwandelte sich anfänglich in blindes Geballer. Verschwitzte und verdreckte Linsen trübten die Sicht auf unsere Gegner. Schnell hieß es 00:06, 03:09 und 07:11. Hatten wir etwa unser Pulver schon verschossen? Die jungen Reichenbacher holten immer wieder über Leo Reinhold und Tim Liebscher zum Gegenschlag aus. Wendige Aktionen in der Abwehr ließen uns keine entscheidenden Trefferpunkte generieren. Mit dem nahendem Winter und unseren Fans im Rücken fassten wir nochmal unseren gesamten Mut zusammen. Durch gute und sichere Aufschläge von Timon, André und Steve näherten wir uns stetig. So langsam kam wir wieder in Sichtweite, verkürzten auf 15:16 und glichen schließlich zum 19:19 aus. Ab diesem Zeitpunkt wurde das finale Feuerwerk abgebrannt. Unsere geile Schlange Timon meinte am Aufschlag nochmal aus allen Rohren feuern zu müssen, ließ sich und unser K2 Spiel dabei hervorragend aussehen. 25:19 Endstand. Was für ein furioses Finale mit dem doch einem oder anderen Aufschrei unserer Gäste. Demut als Neuling war auch hier wieder das Stichwort und wird bestimmt relativ schnell erlernt werden. Dennoch erfreuen wir uns an der glücklichen Ansetzung unserer 10er Staffel, dass wir nicht in die Reichenbacher Wälder eintauchen müssen, sondern die Jungs nochmal zu uns dürfen.

SV Motor Mickten – VSV Eintracht Reichenbach 3:1 (25:23, 23:25, 25:23, 25:19)

 

Nach einer kleinen Stärkung im als Schlachtraum getarnten Vorbereitungsraum, sowie kurzen Gesprächen mit unseren Fans, Ehemaligen, Freunden und Familie, gingen wir in die zweite Partie des Tages gegen die alten Hasen vom USV TU Dresden II. Die Tabellensituation machte uns hier ganz klar wieder zum Jäger. Doch das Spiel, welches folgen sollte, zeigte einen kompletten Rollentausch. Wie die angesengten Wildscheine rannten Toni, Martin, René, Till, Steve und Timon übers Feld. Selbst unser andersfarbiges Bollwerk in der hinteren Reihe hatte dem nichts entgegenzusetzen. Schnell befanden wir uns in einem 06:11 Rückstand. Die Gäste kennen wir bereits aus den letzten 3 Saisons. Doch deren Routine, Ruhe und Spielsicherheit waren von uns immer noch nicht wirklich zu erreichen. Konstante druckvolle Aufschläge ließen unsere Annahme nicht gut aussehen. Ergo kein variables Angriffsspiel. Zu oft verhinderten die uns entgegengestellten Mauern und Fallen einen Punktgewinn. Auch die Wechsel im Zuspiel und in der Annahme brachten keine gewünschte Verbesserung. Über die Stationen 09:15, 12:18 und 14:21 waren unsere Opfer kaum zu übersehen. Beim Satzendstand von 16:25 war auch der letzte Keiler nicht mehr zu retten.

Nun hieß nicht schon vorzeitig die Köpfe hängen zu lassen und den Braten ab zu schenken. Die Endauswahl des ersten Satzes durfte im zweiten Parcours ihr Können unter Beweis stellen. Doch gleich vom ersten Punkt an, knüpften wir an die desolate Leistung des ersten Satzes an. Zu viele Fehler in allen Elementen ließen uns die „1 Schritt vor - 2 Schritt zurück“ Taktik perfektionieren. Der erneut schnelle Rückstand von 03:06, 07:16 und 11:16 spricht eine Sprache für sich. Die hohe Treffsicherheit der alten Haudegen bereitet uns große Probleme. Im Angriff zu wenig Druck, Block und Abwehr wurden gezielt angeschossen. Selbst die zwischenzeitlich 4 getätigten Wechsel brachten unsere Felle nicht ins Trockene. Auch Toni, Till Johne, Basti und Jakob bekamen ihr „Fett“ weg. Das Schlachtfest wurde nur durch, den ab und zu unsicheren Schnitt, des ersten Unparteiischen unterbrochen. Ohne weitere große Worte zu verlieren, schließlich haben wir bis dato schon genug verloren, standen wir bei 18:25 Satzendstand mit dem Rücken zu Wand.

Eingepfercht im Momi-Gehege wollten wir doch nochmal über den Tellerrand hinausschauen, bevor wir verspeist werden. Die Idee der allseits bekannten 5-Satz Momi-Taktik sollte nun als Erfolgsgarant herhalten. Mit den letzten Kräften wollten wir uns nochmal zur Wehr setzen und nicht kampflos das

Schicksal seinen Lauf nehmen lassen. Eine frühe 06:02 ließ dazu auch bei unseren verbliebenen Fans Hoffnung aufkeimen. Doch wie gewonnen, so zerronnen, mussten wir uns wieder auf die schwierigsten Pfade begeben. Uns wurde das heimische Terrain zum Nachteil. So langsam erhielten die Fans unserer Gäste die Oberhand, stachelten ihre Schützen zum Aufholen an. Beim Stand von 11:11 waren wieder bei Null angekommen. Hier waren es die kleinen Fehler, welche den feinen Unterschied ausmachten. Nochmal kurzes Wachrütteln in der Auszeit, bestehende Wunden verarzten oder kaschieren. Mit frischem Herbstfutter (Nüsse und Beeren) gestärkt, ging es in die zweite Hälfte des dritten Satzes. Nun waren wir die jungen Durchlauferhitzer und konnten unsere Gäste mit 18:15 wieder ein wenig abschütteln. Es gelang uns allerdings nicht zu entfliehen und dabei selbst ausreichend zu punkten. Beim Stand von 21:21 bzw. 22:22 befanden wir uns wieder an verhärteten Fronten. Auch wenn wir in dem Moment vielleicht den besseren Knochenbau und glänzenderes Fell hatten, waren wir in dieser entscheidenden Phase wieder mental unterlegen. Etwas panisch wollten wir die letzten Punkte erzwingen, fanden uns aber dann doch in der klassischen 23:25 Falle. Die 0:3 Klatsche war hart, aber auch verdient. Der USV TU Dresden II bestätigte zu Recht seinen derzeitigen Tabellenplatz und agiert weiterhin von der Spitze des Waldes in Sachsens höchster Spielklasse.

SV Motor Mickten – USV TU Dresden II 0:3 (16:25, 18:25, 23:25)

Dennoch war es ein schöner Heimspieltag im Momi-Center. Den gab es zuletzt am 30.11.2019, also vor fast 10 Monaten. Schlussendlich durften alle am Buffet teilhaben und wir sind froh in den aktuellen Zeiten, Gäste und Fans unserer Halle begrüßen zu dürfen. Apropos Buffet. Am 01.11.2020 spielen wir bei unseren Freunden in Reudnitz, SH Gymnasium Engelsdorf. Vage Vermutungen lassen hier bereits im Vorfeld einen weiteren Gewinner, unserer vorkriegsähnlichen Situation, im Bezug auf das leibliche Wohl hervorgehen. Da aktuell die Ausgabe von Lebensmitteln und Ausschank von Getränken stark beschränkt ist, braucht man sich keine Gedanken um ein reichhaltiges Buffet zu machen. Gemäß der Party-Mentalität von heute, Hauptsache die Musik ist gut und der Stoff stimmt. Fleißige Leser der vergangen Jahre und Insider wissen hier bestens Bescheid. Wir bedanken uns nochmal bei den zahlreichen Fans, ihr ward wie immer geil, unseren Gästen und dem Schiedsgericht.

Das nächste Heimspiel findet dann auch schon am Samstag, den 07.11.2020 ab 14 Uhr wieder im MoMi-Center statt. Wir freuen uns auf euch.

© Toni