„Erster 6er“ vor heimischer Kulisse in der Sachsenliga

Wir haben nicht nur ein Fass aufgemacht…sondern wir haben es auch zum überlaufen gebracht. Spielerisch, emotional und später auch physisch. Warum es erst nicht danach aussah und die Stimmung des Oktoberfestes dennoch übertroffen wurde, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen. Doch bevor wir in den Genuss stimmungshebender Getränke kommen durften, wurde der letzte Heimspieltag am 30.11.2019 von einigen Kuriositäten begleitet. Sei es die drohende Katastrophe einer halb defekten Zapfanlage, die durch kompetentes Personal inner- und außerhalb der Mannschaft versucht wurde zu vermeiden, oder die geplagte Anreise der Chemnitzer durch das Verkehrschaos auf der A4, wodurch der Spielstart um 15 Minuten nach hinten verschoben werden musste.  
Das Warm-Up verlief bestens und vielversprechend, obwohl Trainer Mike an dem Tag nicht auf den vollen Kader zurückgreifen konnte. Ohne den verletzten Steve und fehlenden Libero Patti, sowie Basti M. starteten wir 14.15 Uhr in die erste Partie gegen Chemnitz-Harthau.

André übernahm die Regie mit seinen Akteuren Martin, Timon, Till, Jakob und Basti D.  Das Spiel verlief über weite Strecken sehr ausgeglichen. Eine stabile Annahme sicherte wichtige Sideouts. Doch am Aufschlag und im Block agierten wir noch nicht konsequent genug, dass wir uns bis zum Spielstand von 16:15 nicht entscheidend absetzen konnten. Das erste Mal seit langem konnten wir nun den Gegner in der Crunch-Time unter Druck setzen, sodass die Angriffe der Harthauer vermehrt in unserem Block oder nahe der Zuschauer landeten. Somit sicherten wir uns über die Stationen 18:16 und 22:19 den Satz mit 25:20.

Nun hieß es Konzentration hochhalten und den Schwung des letzten Satzes mitnehmen. Es braucht keinen Glaskugelversteher das das nicht so geklappt hat, wie Trainer Mike sich das vorstellte. Mit Unsicherheiten in der Annahme und folglich im Angriff legten wir einen Negativstart von 5 Punkten hin. Nach Stabilisierung unseres Sideouts, stablisierte sich auch das Chemnitzer Spiel die mit souveränen Annahmen von Libero René Schöfisch über ihren Kapitän Stefan Hänel und die Mitten Alexander Wagner, sowie Martin Uhlmann fleißig punkten konnten. Durch fehlende Präzision im Aufschlag, bedingt durch die Störung des Erdmagnetfeldes in Folge eines offensichtlich andersfarbigen Trikots, rannten wir kontinuierlich mit 3-5 Punkten den Chemnitzern hinterher. Erst beim Stand von 17:22 drohte sich das Schicksal nochmal zu wenden. Im Block ersetzte Micha den nur halb so breiten Timon und kurz zuvor wechselte das Zuspiel von André auf Toni / Till im Doppelläufer. Mit viel Einsatz in Feldabwehr, cleveren Block- und Angriffsaktionen kämpften wir uns bis zum 23:24 zurück. Durch ein kleines Abstimmungsproblem im Notzuspiel verloren wir den Satz jedoch knapp mit 23:25.

In Durchgang 3 starten wir wie im ersten Satz aus dem Läufer 2 und mussten ebenfalls vorerst mit einem 2 Punkte Rückstand zufrieden geben. Nun hieß es nicht auch den Satz verschlafen. Das passierte zum Glück nicht, denn über eine (ungewohnte) Aufschlagserie von Timon und sicherem Block- / Abwehrspiel konnten wir uns mit 9:5 absetzen.  Diesen Vorsprung hielten wir konstant über den restlichen 3. Satz der ansonsten wenig spektakulär verlief. Mit 25:20 tüteten wir diesen Satz ein. 

Nach Appell den Aufschlagdruck fern des Liberos hochzuhalten starteten beide Teams ausgeglichen in Satz Nummer 4. Beim Stand von 10:13 und 11:16 waren wir in sichtlicher Bedrängnis, da sich abermals der Fehlerteufel in unseren Köpfen breitmachte. Das DeJaVu von Reudnitz? Auch unsere Edelfans, unter dem Decknamen Doppel G (Golden Girls…wer hätte da an etwas anderes gedacht), wollten es soweit nicht kommen lassen und feuerten uns gnadenlos zum Leid der Chemnitzer (und später auch Motorradstädter) an. Chemnitz-Harthau agierte bis zum Spielstand von 16:23 jedoch weiter unbeeindruckt und spielte clever. Mit dem Rücken zur Wand musste Trainer Mike reagieren und entschied sich für den Doppelwechsel. Toni kam für Till und Roman für André auf das Spielfeld. Micha der vorher schon für Martin aufs Feld gekommen ist komplementierte das Team. Es begann die wohl wahrscheinlich spannendste Aufholjagd der Saison, von der sich so mancher Hollywood-Regisseur noch eine Scheibe abschneiden kann. Beim Stand von 18:24 betrat Roman die Grundlinie zum Service und er sollte sie erst beim Stand von 26:24 wieder verlassen. 8 Aufschläge in Richtung des Chemnitzers Richard Wilfert fanden ihr Ziel, sofern diese nicht vorher von der Netzkante gefährlich entschleunigt wurden. Mit wackelnder Annahme der Chemnitzer wurde auch das Angriffsspiel immer unsicherer und fand den Weg in unseren Einer- oder Doppelblock. Selbst die Auszeiten der Chemnitzer Trainerin Josephine Brandt beim Stand von 24: 20 und 24:22 konnte die drohende Katastrophe für den Männervolleyball aus Chemnitz nicht abwenden. Rat- und fassungslose Gesichter auf Seiten der gold-schwarzen Riege. Mit cleveren Blocks durch Micha und Toni, sowie guten Abwehraktionen von Basti und Jakob konnten wir den ersten 3 Punkte Erfolg der Saison verbuchen. Eine glückliche Schiedsrichterentscheidung unterstützte uns bei unserer Mission, die jedoch die Ausnahme des sonst sehr souveränen Schiedsrichters Thomas Hanauer blieb. Beide Trainer waren den Tränen nahe, aus Verzweiflung und Trauer auf Seiten der Chemnitzer und vor Freude auf unserer Seite. Groß war der Jubel mit ersten Regierungsaufrufen der Schwarz-Grünen Regierung. Moment…wir vergessen hier schnell die Doppeldeutigkeit und stärkten uns für das 2. Spiel des Tages gegen den amtierenden Tabellenführer aus Zschopau. 

SV Motor Mickten - SV Chemnitz-Harthau 3:1 (25:20 23:25 25:20 26:24)

Nach relativ genau 45 Minuten Pause ging es für uns in das vermeintlich schwerere Spiel. Mit unveränderter Aufstellung wie zu Beginn des ersten Spiels starteten wir in Satz 1. Gestärkt wurden nicht nur unsere Körper am Buffet, sondern auch das Aufschlagspiel, sodass wir den K1 der Motorradstädter mitbestimmen konnten. Über die Spielstände 3:0, 8:3, 12:6, 22:14 und 25:17 ist schnell alles erzählt. Die sonst sehr sicheren Angreifer Robert Freitag und Kapitän Jan Riedel, fanden ihre Bälle oft in unserem Block, im Aus oder im Netz wieder. Ohne den verletzten Nicolas Bechtold stand der junge Zuspieler Til Babatz vor der schweren Aufgabe wem er noch die Bälle geben könnte, sofern die Annahme nicht Mittelblockerfreundlich war.

Was ist nur mit dem sonst so souveränen Tabellenführer los? Der erste Satz konnte nicht die Maßgabe des Spiels gewesen sein. Begleitet von unseren immer stärker werdenden und teils überengagierten Fans, wurden auch die Zschopauer um Trainer Mathias Ellwart immer stärker. Trotz unserer frühen Führung über 4:1 und 10:4 wurden langsam die Reservekörner angerührt, sodass sich in allen Elementen leichte Unsicherheiten einschlichen. Beim Stand von 21:20 nahm Trainer Mike seine zweite Auszeit und versucht uns nochmal wachzurütteln. Zudem schickte Mike Micha für Martin, Roman für Till und Toni für André frische Spieler aufs Feld. Mit einer geschlossenen Mannschaftleistung in der Abwehr und der endlich gefundenen Cleverness im Angriff konnte der Satz mit knapp 25:23 an uns verbucht werden. 

Mit dem Hintergedanken schon 4 von 6 möglichen Punkten am heutigen Spieltag geholt zu haben, wollten wir uns nicht zufrieden geben. Wenn nicht heute 6 Punkte in der Luft liegen, wann dann? Toni übernahm in Satz 3 die Regie, da André nach einer sehr guten Leistung in Zuspiel- und Abwehr sichtlich Kräfte gelassen hatte. Die Männer aus Zschopau waren sichtlich frustriert, da sie keinen Zugriff auf das Spiel erhielten. Erneut konnten wir uns durch einen soliden, aber nicht überragenden Aufschlag, und guter Abwehrarbeit eine 6 Punkte Führung zur Satzhalbzeit von 13:6 erarbeiten. Die stabile Feldverteidigung, eine gute Annahme und wenig Aufschlagdruck des Gegners ermöglichten es uns einige Einerblock-Situationen zu schaffen uns auch zu nutzen. Beim Stand von 20:10 schienen die letzten 5 Punkte nur noch Formsache. Doch wie auch auf dem Finanzamt, ging es in den Köpfen der unserer Aufschlagspieler vor, die mit aller Gewalt Geld in die Kasse spülen wollten. Sei es drum, wir verschenkten noch 4 weitere Punkte im Aufschlag und 4 weitere im Sideout, bis wir beim Endstand von 25:18 nicht mehr verschenkten und den zweiten 3-Punkte Erfolg des Tages begossen. 

SV Motor Mickten - VC Zschopau II. 3:0 (25:17 25:23 25:18)

Endlich belohnen wir uns für die harte Arbeit im Training der letzten Wochen und freuen uns auf den nächsten Heimspieltag bereits in 2 Wochen am 14.12.2019. Einen großen Dank gebührt auch unserem Schankmeister, der die Zapfanlage stets im Griff hatte und sich selbst der wahrscheinlich beste Kunde gewesen ist. Danke auch nochmal an der Stelle an die vielen Fans aus anderen Teams der Volleyball-Sektion, Ehemaligen, Freunde und Familie. Wir hoffen auch demnächst auf eure Unterstützung.

© Toni Fuchs